1975

DIE EROBERUNG DER LÜFTE

Mit Rotax Motoren hoch hinaus

Zu Wasser, zu Land und in die Lüfte!

Was mit Stationärmotoren beginnt, sich in Motoren für Zweiräder und Karts fortsetzt, findet in den turbulenten Jahren der 1970er seine bedeutsame Fortsetzung in der Entwicklung von Flugzeugmotoren. Die Luftfahrt gilt als letzte Bastion, die Rotax noch nicht durch Innovation und Einsatz erobern hat können. Dabei sind es nicht die Gunskirchner selbst, die erste Flugversuche mit Hängegleitern und Ultraleichtflugzeugen unternehmen. Nordamerikanische Firmen zweckentfremden Schneeschlittenmotoren für den Einsatz in Ultraleichtflugzeugen. Meist als Rumpfmotor ohne Ansaug- und Auspuffanlage mit unzureichender Ausrüstung wird der illegale Einsatz in der damals noch unreglementierten Leichtflugszene zu einem riskanten Unterfangen. Sicherheitsbedenken, der unverantwortliche Einsatz der eigenen Produkte durch Fremde und ein mögliches neues Geschäftsfeld führen auch in Gunskirchen zu Diskussionen. Rotax sieht sich in der Verantwortung und lanciert im Rekordtempo die Entwicklung eigener Flugzeugmotoren. Die Ingenieure besuchen Luftfahrtausstellungen, knüpfen Kontakte mit Herstellern und erarbeiten sich Schritt für Schritt das nötige Wissen, um Rotax Motoren an die Betriebsbedingungen der Luftfahrt anpassen zu können. Die Kriterien sind schnell klar: Eine hohe Verlässlichkeit,das “Komplettpaket“ aus Motor, Getriebe, Zubehör, Ansaug- und Auspuffanlage, und Herstellersupport werden bald von Rotax  erfolgreich  zur Verfügung gestellt.  

Die anfangs als „Fetzen-Flieger“ abwertend betrachtete Segelflieger-Community entwickelt sich dank leistungsfähiger Rotax Motoren schnell zum Hightech-Sektor. (Envato Elements)

Den Anfang machte der Rotax Flugmotor 642

Federführend durch Karl Bablich, dem damaligen Leiter der Motorenreparatur und selbst begeisterter Pilot, erarbeitet sich Rotax das Know-How maßgeschneiderte und von den Flugbehörden lizensierte Motoren zu bauen. Den Anfang macht ein modifizierter Schneeschlittenmotor, dessen zwei gebläsegekühlte Zylinder 40 PS Leistung liefern und der fortan als Flugmotor Typ 642 Verwendung findet. Die Anforderungen an einen Flugmotor waren besonders aufgrund der geänderten Umgebung komplexer und fordernder. „Flugmotoren sollen viel Leistung bei wenig Gewicht erbringen und doppelte Sicherheit, was die Elektrik und Hydraulik betrifft, gewährleisten. Das war natürlich ein gewisser Unterschied zu den Schlittenmotoren. Wir brachten unsere Motorenentwicklung nochmals auf ein höheres Level“, erinnert sich Johann Rapberger, ehem. Leiter der Rotax-Konstruktionsabteilung.  Und wie man durch Innovation, Einsatz und Genauigkeit das Level anzuheben vermochte! Besonders unter den Segelfliegern gewinnt Rotax schnell an Beliebtheit. Erfolgt der Start von Segelflugzeugen meist durch das Ziehen mit Seilwinden oder Abschleppflugzeugen, werden diese leichten Fluggeräte dank der nun einklappbaren Triebwerke mobiler und flexibler. Auf noch größere Resonanz stößt ein gemeinsames Projekt mit dem finnischen Hersteller Eiri Avion. „1976 ist der finnische Hersteller der PIK-20, Eiri Avion, an uns herangetreten mit der Bitte, für eine PIK-20E einen geeigneten Motor zu entwickeln. Daraufhin haben wir den Rotax Typ 503 entsprechend modifiziert,“ erinnert sich Dietrich Weiß, damalig in der Projektplanung tätig. Der Rotax 503 UL und die größere Variante 582 UL werden in den Folgejahren zu den erfolgreichsten Produkten der Gunskirchner. Diese Motorbasis (der Typ 503) löste den beliebten, aber hubraumstärkeren Typ 642 ab und wird im Laufe der Jahre in einer Vielzahl an Produkten eingesetzt. Schneeschlitten und Ultraleichtflugzeuge setzen ebenso wie Industriemotoren – etwa Bohrgeräte oder Wasserpumpen – auf den 34 PS starken Motor. Und das über Jahrzehnte: So erhält der Motor noch in den 1990er Jahren ein Leistungs-Upgrade auf 52 PS bei gleichzeitiger Reduktion der Lärmemission. Am Ende seiner langen und erfolgreichen Motorengeschichte sind über 150.000 Stück vom Band gelaufen !

 

 

Der modifizierte Schneeschlittenmotor 642 kann als Urvater der Rotax Flugmotoren bezeichnet werden. (BRP-Rotax Unternehmensarchiv)

Marktführerschaft in der UL-Sparte

Ende der 1980er Jahre fliegen vier von fünf Ultraleichtflugzeugen (UL) mit Rotax Motoren. Die Marktführerschaft ist erreicht, wenn auch zu einem hohen Preis. Divers und spezifisch gestalten sich die Anforderungen einzelner Hersteller, so dass die Bestellmengen meist nicht ausreichen, um die damaligen Zweitakt-UL-Motoren kostengünstig in Serie zu fertigen. Ein Ausweg aus diesem ökonomischen Dilemma soll mit einer neuen Motorenbasis gefunden werden. Auf Initiative von Heinz Lippitsch werden die unterschiedlichen Anforderungen zusammengetragen und Rotax vereint die Vorstellungen der Flugszene schlussendlich im neuen Viertaktmotor Typ 912. Damit schafft man die gewünschte Basis einer leistungsfähigen und für vielerlei Modelle und Sparten kompatiblen Motorengeneration. Noch heute sind die Nachfolger und Weiterentwicklungen rund um das aktuelle 2017er Modell des Flugmotor 915 iS das Nonplusultra in Leistung, Verbrauch und Qualität!

Konsequente (Weiter-)Entwicklungen

Eine beeindruckend lange wie auch intensive Produktgeschichte erlebt Rotax seit 1973 im Flugsektor. Über 180.000 Flugmotoren verlassen das Werk in Gunskirchen und unterstreichen die Popularität der Motoren für die speziellen Anforderungen im Flugwesen. Viele Flugzeugtypen wie die Ikarus, Scheibe, Falke SF-25C, Super-Dimona, Katana, Sky Arrow und Tecnam-P92 setzen auf Rotax Motoren. Mehr als 250 Flugzeughersteller – das sind rund 80 % aller Hersteller weltweit – vertrauen dem Leistungs- und Qualitätsanspruch aus Gunskirchen. „Die Markteinführung der Rotax 912 Serie war für uns und unsere Geschäftsentwicklung sowie für die gesamte ,kleine‘ Luftfahrt ein wesentlicher Schritt nach vorne und ist noch heute ein entscheidender Beitrag für den Stand der Technik in der allgemeinen Fliegerei“, erzählt Eduard Franz, Geschäftsführer und Inhaber der Franz Aircraft Engines Vertriebs GmbH im Interview und stellt dem Rotax-Engagement das allerhöchste Zeugnis aus. Dabei sind es nicht nur die Partner, Kunden und Flieger, die sich von den Rotax Motoren begeistert zeigen, mit der Validierung durch die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (EASA) mit der Design Organisation Approval (DOA) in 2003 und dem Production Organisation Approval (POA) 2005 werden die Bemühungen in der Flugmotorenentwicklung auch auf institutioneller Ebene zertifiziert.

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